Mutter Erde

 


Muetter Ärde Mutter Erde 


Mutter Erde käme gut ohne den Menschen aus;

doch der Mensch nicht ohne Mutter Erde.

(Martina Pfannenschmidt)


Muetter Ärde du darfsch no nid stärbe Mutter Erde du darfst noch nicht sterben

 

I hocke i mim chlyne Zimmer Ich sitze in meinem kleinen Zimmer

U mi Zuestand wird geng schlimmer Und mein Zustand wird immer schlimmer

I luege use i di Wäut Ich schaue hinaus in die Welt

Gseh dert aus wo zeut isch ds Gäud Und sehe dort alles was zählt ist das Geld

 

S’gäb no mängs wo nötig wär Es gäbe so vieles das notwendig wäre

Aber d’Mönschheit tuet sich schwär Aber die Menschheit tut sich schwer

Er Muetter Ärde ihres Bluet Der Mutter Erde ihr Blut

Giut nid haub so viu wie Gäud u Guet Gilt nicht halb soviel wie Geld und Gut


Muetter Ärde du darfsch no nid stärbe Mutter Erde du darfst noch nicht sterben

 

I chume langsam ine Wuet Ich werde langsam wütend

I mir chocht ä heissi Gluet In mir kocht eine heisse Glut

Es isch dr Wahnsinn wo regiert Es ist der Wahnsinn der regiert

Macht wo nach no meh Macht giert Macht die nach noch mehr Macht giert

 

Gwaut u Chriege eskaliere Gewalt und Kriege eskalieren

Mönsche hungere u Mönsche friere Menschen hungern und frieren

Mi dünkt das so schampar fies Ich finde das total fies

Mini Wuet vergeit i wirde depressiv Meine Wut vergeht ich werde depressiv

 

Muetter Ärde du darfsch no nid stärbe Mutter Erde du darfst noch nicht sterben

           

I hocke i mim chlyne Zimmer Ich sitze in meinem kleinen Zimmer

U hoffe uf nä Hoffnigsschimmer Und hoffe auf einen Hoffnungsschimmer

I luege ine i mis Härz Ich schaue hinein in mein Herz

U erliide dert dr Schmärz Und erleide dort den Schmerz


Es git no mängs wo machbar isch Es gibt noch vieles das machbar ist

Dänk da dra u gib was d’ hesch! Denk daran und gib was du hast!

Dänk da dra: Gib was d’ hesch! Denk daran: Gib was du hast!

Dänk da dra: Gib wenigschtens was du hesch! Denk daran: Gib wenigstens was du hast!

 

Muetter Ärde du darfsch no nid stärbe Mutter Erde du darfst noch nicht sterben

 

Muetter Ärde Mutter Erde

 

Ob Gott Vater oder Mutter Erde, mit beiden Bildern versucht der Mensch die Einheit des Ganzen zu beschreiben. Die ganze Erde ist lebendig, ist ein einziger lebendiger Organismus. Wenn wir Menschen dieses einzigartige Lebewesen, die Mutter Erde, mutwillig oder mit Blindheit geschlagen verletzen und zerstören, dann verletzen und zerstören wir auch uns selber und alles Leben mit uns. Wenn du ein Mensch bist, der Liebe empfindet für das Sein, dann leidest du unter dem Umgang des Menschen mit seiner Mutter, der Erde. Und wie du deiner leiblichen Mutter nicht den Tod wünschst, sondern gesundes Leben, so auch der Erde, die unser aller Mutterboden ist.

Aus deinem kleinen Lebensraum hier und jetzt schaust du hinaus in die Weite des Seins, siehst unseren Globus, die Erde und erkennst, wie wir Menschen mit unserer Mutter umgehen. Unsere Mutter blutet, wir bluten sie aus. Der Mensch versteht die Wirklichkeit seiner Freiheit falsch und missbraucht sie. Die eigentliche Frage zur Freiheit lautet nicht „frei wovon?“, sondern „frei wozu?“.

Wenn du also ein Mensch bist, der den Frieden der Seele und die Freiheit seines Seins tatsächlich gefunden und verwirklicht zu haben glaubt, dann wisse, dass dies keineswegs das Ende deiner Existenz bedeutet. Du bist immer noch da, ein Mensch unter Menschen, ein Wesen dieser Erde, sie ist immer noch deine dich nährende Mutter. Achte sie, respektiere sie, schütze sie, liebe sie. Wenn du wirklich Friede im Herzen und die Freiheit des Geistes realisiert hast, dann muss man dir dies allerdings nicht sagen, denn dann kannst du nicht mehr anders.

Wenn du jedoch resignierend in deinem kleinen, engen Erlebensraum sitzen bleibst und von dort aus den Zustand der Welt und deine eigene Befindlichkeit beklagst, dann bist du ein Egoist, weiter nichts. Dann bist du weder ein gläubiger noch ein erwachter Mensch. Mach dich auf deine Mutter zu pflegen! Hör auf zu jammern und setze deine Begabungen und Fähigkeiten ein zum Wohle aller, zur Heilung des Ganzen, zur Freude unserer Mutter, zur Ehre Gottes.

Besitz ist alles, und der Besitzer von allem, der willst du sein. Aber du bist nichts, für dich alleine bist du nichts. Nur im Ganzen macht dein individuelles Leben einen Sinn. Du bist ein Teil des grossen, universalen Organismus, der den Namen „Leben“ trägt. Du bist ausserordentlich wichtig, aber nur für das Ganze, nicht für dich alleine. Das Blut, das Leben unserer Mutter Erde, ist alles. Besitz ist nichts. Lass deinen Anspruch auf Besitz, diesen Anschein von lebenswertem Leben, vollständig los und gib dich dem wahren Leben hin.

Wenn dich die Medienmeldungen zum Zustand der Menschheit und des Globus wütend machen, dann empfindest du Wahrheit. Die Wut in dir, dieses heisse Glühen, das ist Lebenskraft die du einsetzen kannst zum Wohle und zur Heilung des Seins. Lass es nicht bei der Wut bewenden, sie würde sich schliesslich gegen die Mutter Erde und gegen dich selber wenden und sich in den allgemeinen Zerstörungsmechanismus einfügen. Das ist nicht der Weg des wahren Lebens. Erkenne deine Wut und akzeptiere sie, aber lenke sie um, kanalisiere sie in heilsame Aktivitäten. Jede Aggression ist eine unbändige Kraft, sie kann unendliches Leid erzeugen, kann aber auch beherrscht werden, beherrscht nicht im Sinne von Unterdrückung, sondern im Sinne von Anwendung dieser Energie für Heilsames, Heilendes, Heiligendes. Suche diesen Weg, entdecke, wie du deine Wut, auch deine Verletzung, deine Enttäuschung, deine Trauer in Heilsames verwandeln kannst.

Nicht die Macht an sich ist der Wahnsinn, sondern die zerstörerische Anwendung der Macht. Macht ohne Weisheit, ohne Liebe und Mitgefühl für alles Leben, das ist Wahnsinn. Macht, die besitzen will, die Besitzer sein will, Herr und Herrscher über die Dinge und die Wesen, das ist Wahnsinn. Dieser Wahnsinn scheint die Welt zu regieren. Dieser Wahnsinn scheint die Erde zu zerstören. Und dieser Wahnsinn will immer noch mehr Macht, will sich das ganze Universum untertan machen.

Aber die Gesetze des Seins wollen uns dienen, nicht von uns beherrscht werden. Weil wir sie beherrschen wollen, deshalb ergeht es uns wie Goethes berühmten Zauberlehrling, der Opfer wird seiner unwissenden Zaubereien. Wir können uns nachgiebig, hingebend, sanft in die Gesetzmässigkeiten der Wirklichkeit einfügen, dann dienen sie uns, sobald wir aber die Herrschaft über sie an uns reissen und uns ihrer bemächtigen wollen, versagen wir. Sobald wir in Kategorien von Besitzer und Besitz, von Herrscher und Beherrschtem denken, sind wir dem Wahnsinn verfallen, denn das Leben kennt keine Besitzer und keinen Besitz, keine Herrscher und keine Beherrschten. Wahre Macht ist etwas vollständig anderes. Wahre Macht ist Eingefügtsein in die Wirklichkeit. Wahre Macht versucht nicht, die Seinsgesetze zu beherrschen. Wahre Macht ist echte Vollmacht, ist die echte Autorität, die aus der Hingabe an die Wahrheit, aus der den Gesetzmässigkeiten der Existenz dienenden Haltung, entsteht. Eine solche gesetzmässige Macht ist Weisheit. Sie überwindet den Wahnsinn.

Der Mensch wird die Gesetze des Seins nie beherrschen können. Er kann sie kennen lernen und sein Leben in sie einfügen, so findet er Frieden und Freiheit.

Wo der Wahnsinn von Besitzgier und Egoismus herrschen, da hungern und frieren Menschen. Wo das Geben, das Hingeben nicht vom Gebenden, vom sich Hingebenden selber als ein Beschenktwerden erlebt wird, da wird Geben und sich hingeben als Verlust empfunden. Verlust, Loslassen aber, das will um jeden Preis verhindert werden. Dass das Geben, das Weggeben, das Loslassen in sich selber ein Wachstum an Liebesfähigkeit und an Mitempfinden mit allen Wesen, mit allem Leben ist, das ist dem Besitzer und dem besitzen Wollenden unbekannt.

Deine Sattheit und Übersattheit (sie äussert sich häufig in verschiedensten Formen des „es satt habens“) ist der Hunger deines Mitmenschen. Deine Geborgenheit und Wärme ist die Kälte  und Verlassenheit deines Nächsten. Er ist dein Nächster auch dann, wenn er auf der andern Seite des Globus lebt. Die Erde ist klein. Du hast Brüder und Schwestern, weisst du, wer sie sind?

Wenn du nun depressiv wirst, dann hast du die Energie deiner Wut falsch eingesetzt. Du bist nicht aus deinem kleinen, engen Erlebensraum herausgetreten, herausgebrochen, sondern hast dich in dich selber verkrochen und nun zerfrisst die Energie deiner Wut dein Herz und wird statt zu wahrer Kraft zu Ohnmacht. Es mag hart klingen in deinen Ohren, aber nun bist du auf der andern Seite des Egoismus gelandet. Wieder geht es nur um dich, du bist der oder die Arme in dieser ach so schlechten Welt. Auf diese Weise wirst du nichts verändern, wirst du nichts beitragen zum Heil und zur Heiligung der Menschheit. Nun hast du dich zum Opfer gemacht, und die andern zu Tätern. Aber jeder Täter ist auch Opfer, und jedes Opfer ist auch Täter. Bedenke das.



Depression und Wut, überhaupt alle Emotionen, sind nicht Dinge, die dich von aussen, unabhängig von dir anfallen. In deinem Geist, in deinem Herzen schaffst du Bedingungen, die zu Emotionen werden. Deshalb ist es unumgänglich, dass du dich selber kennen lernst, dass du erkennen lernst, wie das Zusammenspiel von Körper, Gefühlen und Denken in deinem Leben funktioniert. So wirst du befähigt werden, in heilsamer Weise mit dir selber umzugehen. Und wenn du mit dir selber in heilsamer Weise umgehen kannst, dann wirst du es auch mit deinen Mitmenschen, mit allen Lebewesen, mit dem Leben und mit deinem Erleben überhaupt können.

Die Mutter Erde und alle Lebewesen die sie ernährt und trägt hoffen darauf, dass die Menschen als Liebende und Mitfühlende in Erscheinung treten. Sie hoffen darauf, dass der Mensch seinen Widerstand gegen das Sein und gegen die Seinsgesetzmässigkeiten überwindet, dass er von seiner Ablehnung, seinem Hass gegen das Leben und gegen das Lebendige frei wird, ebenso wie von seiner Gier danach Leben und Dinge besitzen und beherrschen zu wollen.

Lass es zu, dass die Wahrnehmung der Wirklichkeit wie sie ist in deinem Herzen Schmerz verursacht. Dieser Schmerz, der ist dein Mitgefühl mit dem Leiden der Mutter Erde und der Lebewesen. Wenn du diesen Schmerz nicht zulässt, ihn unterdrückst oder verleugnest, dann verhärtet sich dein Herz und wird zu Stein. Lass also den Schmerz des Lebens zu, allen Schmerz, den du empfinden kannst, denn er gehört ganz wesentlich zum Leben. Die Bereitschaft, der Mut, die Kraft, den Schmerz zuzulassen, das macht dich zum mitfühlenden, liebenden Menschen.

Vieles kann getan werden, das zur Heilung und zur Heiligung des Menschen und allen Lebens beiträgt. Nichts Unmögliches wird von dir erwartet, nur dieses: Dass du vollständig dich selber bist und dass du dich so wie du bist einbringst in das lebendige Ganze, ins Sein. Deine Soheit gleicht keiner anderen, dein Sosein ist einmalig, kein anderes Sein ist so wie das deine. Du bist der du bist, und als genau der Mensch, der du bist, gib dich ein, gib dich hin. Nichts anderes hast du als dein Sosein, und selbst dieses besitzt du nicht, sondern es ist einfach da, so wie es ist. Verstecke es nicht, gib es dem Ganzen, gib es der Liebe hin und liebe. Nimm also dein Sosein an, respektiere und achte es, gehe mitfühlend und liebevoll mit dir selber um und mit allen deinen Mitmenschen und allen Lebewesen deiner Erlebenswelt. Sie alle haben ihr Sosein, so wie du das deine, und das ganze Universum, das Sein als Ganzheit hat sein Sosein, ist wie es ist. Dieses Sosein, das schenke uns.



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