Das wahre Leben?

 



Ds wahre Läbe?                    Das wahre Leben?

 

Erst wer seine Komfortzone verlässt,

lernt das wahre Leben kennen.

(Helmut Glassl)

 



Är fahrt dr Merz u si dr BMW Er fährt den Mercedes und sie den BMW

Ds Härz tuet ne beidne lang scho weh Das Herz schmerzt beiden schon lange

Si wei nid wüsse was ne würklech fäut Sie wollen nicht wissen was ihnen wirklich fehlt

Si wei nume eis no meh Gäud no meh Gäud Sie wollen nur eines noch mehr Geld noch mehr Geld

 

Gäud no meh Gäud Gäud no meh Gäud no meh Gäud Geld noch mehr Geld Geld noch mehr Geld noch mehr Geld

Si wei nume eis no meh Gäud no meh Gäud Sie wollen nur eines noch mehr Geld noch mehr Geld

Si wei nid wüsse was ne würklech fäut Sie wollen nicht wissen was ihnen wirklich fehlt

Si wie nume eis no meh Gäud Sie wollen nur eines noch mehr Geld

 

Es ghört ne d’Wäut mit au ihrem Gäud Ihnen gehört die Welt mit all ihrem Geld

aber d’Seele hei si nümme aber die Seele haben sie nicht mehr

Es ghört ne d’Wäut mit au ihrem Gäud Ihnen gehört die Welt mit all ihrem Geld

aber ds wahre Läbe wie si nümme aber das wahre Leben wollen sie nicht mehr

 

Är hett sini Karriere si hett ihri Er hat seine Karriere sie hat die ihre

D’Ching si bim Grosi oder irgendwo im Spili Die Kinder sind bei der Oma oder irgendwo in einer Kita

Si hei ihri Villa u nes Fitness-Abi Sie haben ihre Villa und ein Fitness-Abonnement

Si nimmt Vitamine u ou är isch ke Gschtabi Sie nimmt Vitamine und auch er ist nicht ungelenk

 

Gäud no meh Gäud Gäud no meh Gäud no meh Gäud Geld noch mehr Geld Geld noch mehr Geld noch mehr Geld

Si wei nume eis no meh Gäud no meh Gäud Sie wollen nur eines noch mehr Geld noch mehr Geld

Si wei nid wüsse was ne würklech fäut Sie wollen nicht wissen was ihnen wirklich fehlt

Si wei nume eis no meh Gäud Sie wollen nur eines noch mehr Geld

 

Es ghört ne d’Wäut mit au ihrem Gäud Ihnen gehört die Welt mit all ihrem Geld

aber d’Seele hei si nümme aber die Seele haben sie nicht mehr

Es ghört ne d’Wäut mit au ihrem Gäud Ihnen gehört die Welt mit all ihrem Geld

aber ds wahre Läbe wie si nümme aber das wahre Leben wollen sie nicht mehr

 

Si mache Ferie in Mexiko Sie machen Ferien in Mexiko

Uf de Seychelle u no angerswo Auf den Seychellen und auch anderswo

Si chöi nid si was u chöi nid blibe wo si si Sie können nicht sein was und können nicht bleiben wo sie sind

Müesse immer witer wüsse säuber nid wohi Müssen immer weiter wissen selber nicht wohin

 

Es tribt se i dr Wäut umenang mitenang Es treibt sie miteinander in der Welt umher

U si gschpüre dass ne irgendöppis Wichtigs fäut Und sie fühlen dass ihnen irgendetwas Wichtiges fehlt

Si wei itz wüsse was ne würklech fäut Sie wollen jetzt wissen was ihnen wirklich fehlt

U wei nümm nume geng no meh Gäud Und wollen nicht mehr immer nur noch mehr Geld

 

Es ghört ne d’Wäut mit au ihrem Gäud Ihnen gehört die Welt mit all ihrem Geld

aber d’Seele? aber die Seele?

Es ghört ne d’Wäut mit au ihrem Gäud Ihnen gehört die Welt mit all ihrem Geld

aber ds wahre Läbe?… äbe… aber das wahre Leben?… eben…

 

Ja, ich kenne den Weg des wahren Lebens. Ich nenne ihn Stille und Präsenz mit Herz. Oder, im vollen Wortlaut: Auf dem Weg mit Herz in der Kraft der Stille das Wirken der Präsenz erleben. Das ist der Weg des wahren Lebens. So hat er sich mir im Laufe eines bereits über sechzig Jahre dauernden lebendigen Sterbens offenbart.

Ich bin ein Körperzeuge. Körperzeugen betreten den Weg des wahren Lebens durch das Tor des Leidens. Andere gehen durch das Tor des Todes, das sind die Vertrauensseligen. Noch andere gehen durch das Tor der Selbstlosigkeit, das sind die nach Weisheit Dürstenden. 

Allen drei Toren ist gemeinsam, dass sie keinen Schlüssel haben und keine Klinke. Deshalb gelten sie auch als das eine,  rätselhafte Ohne-Schlüssel-Tor, wie Michael Ende es benannt hat, in seiner Unendlichen Geschichte.

Du gehst den Weg des Leidens, oder die Strasse des Todes, oder den Pfad der Selbstlosigkeit und eines schönen oder hässlichen Tages stehst du vor deinem Tor und du weisst: Da muss ich hindurch. Aber es gibt keine Türklinke und keinen Schlüssel, du stehst vor einer Wand. Na dann: Viel Glück und alles Gute!

Nein, ich habe weder den Schlüssel zu deinem Tor, noch eine Klinke, die du dort reinstecken könntest. Ich kann dir nicht einmal sagen, wie du dort durch kommst, denn ich weiss noch immer nicht, wie das bei mir funktioniert hat. Irgendwann blickte ich um mich und erkannte: Ich war durch. Ich stand auf der anderen Seite. Wie es eben Bastian auch ergangen ist, auf seiner Reise zur Rettung Phantasiens vor dem Nichts.

Eines aber kann ich: Ich weiss, wo das Tor steht, und wenn du willst, können wir uns gemeinsam auf den Weg machen und dort hingehen. Aber dort angekommen werden wir uns lassen müssen. Ich kann dich nicht an der Hand halten und so mit dir durchs Tor gehen.

Du wirst also mit mir bis zum Tor wandern, falls du meine Gegenwart erträgst und so lange Geduld hast. Dann werde ich durchs Tor gehen und du wirst alleine sein.

Für mich ist es seither ein immer offenes Tor: Ich kann von hier nach dort gehen und von dort nach hier kommen, ganz wie es mir beliebt.

Du wirst also alleine sein, auf dich selber gestellt. Und ich kann dir nicht einmal garantieren, dass der Weg für dich nicht umsonst sein wird. Du wirst das Tor sehen, aber ob es für dich ein Durchkommen geben wird oder nicht, dass weiss niemand.


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