Das Spiel des Tönens


 



Eine feinfühlige Seele

wird von Farben angesprochen,

eine noch feinfühligere vom Klang.

(Hazrath Inayat Khan)

 


Seit Jahrzehnten praktizieren meine Frau Nicole und ich intuitives Singen und Tönen, meist wenn wir alleine zuhause oder zu Fuss oder mit dem Fahrrad oder im Auto unterwegs sind. Nun haben sich unsere Töne gefunden und wir durften entdecken, dass das gemeinsame intuitive Tönen ebenso geistige Sammlung und Herzenseinigung – die Kraft der Stille – herbeizuführen vermag wie die traditionelle Atem-Meditation der Satipatthana-Methode.

Obschon das Erleben der Geistessammlung oder Herzenseinigung eine ausgesprochen schöne und beglückende Erfahrung ist, ist sie kein blosser Selbstzweck, sondern darüber hinaus vor allem notwendige Bedingung für das Aufsteigen von tiefer Einsicht in die Daseinswirklichkeit – in das Wirken der Präsenz.

Wir praktizieren das intuitive Tönen in 30-minütigen Sequenzen über zwei oder drei sich meditativ wiederholende Akkorde, die mit einem oder mehreren Instrumenten (ich z.B. mit der Gitarre) gespielt werden. Teilnehmende können eigene (akustische und nicht extrem laute) Instrumente mitbringen und sich sowohl mit ihrem Instrument wie auch mit der Stimme ins Tönen einfügen. So schaffen wir gemeinsam einen meditativen Klangteppich, der uns hilft, ganz ins Tönen einzugehen und so zu geistiger Sammlung und Herzenseinigung zu gelangen.

Die (Melodie- und Rhythmus-) Instrumente dienen uns dabei als Grundlage für das Tönen mit unserer Stimme, das sich auf blosse Vokale oder kurze Silben (nicht Begriffe) beschränkt. Was wir Erleben wollen sind nicht begriffliche Bedeutungsinhalte, sondern unsere eigene Stimme, in deren Klang (im Chor der mit uns Tönenden) wir uns vertiefen.

Wir brauchen dazu keine ausgebildeten und begnadeten SängerInnen zu sein: Jeder Mensch hat eine Stimme, die er ertönen lassen kann. Es braucht anfänglich vielleicht ein wenig Mut zur Überwindung der Hemmungen – was bereits zu einem ersten hilfreichen und wertvollen Ergebnis des intuitiven Tönens werden kann!

Auch unsere Hemmungen sind Teil des Lebensspiels, spielerisch tauchen sie auf und verschwinden wieder. Nimm sie nicht zu ernst, sie sind auch nur einfach das, was sie sind. Sie dürfen erscheinen, sich zu Wort melden, sie werden von uns angehört und wir haben die Freiheit, uns von ihnen die Freude am Spiel verderben zu lassen oder aber sie zu beschwichtigen und ihnen zu zeigen, dass ihre Ängste und Zweifel unbegründet sind.

Das intuitive Tönen ist eine wunderbare spielerische Gelegenheit, unsere Stimme wertzuschätzen und sie aus unserem Innersten heraus ertönen zu lassen, mal sanft und leise, dann auch mal aus voller Kehle erschallend. Es gibt kein Richtig und Falsch hierbei: Der Körper selber meldet sich mit dem Tönen in der konkret gegenwärtigen Verfassung und Schwingung. Wir lassen es einfach nur geschehen und werden zum Zuhörer der Töne, die aus unserer Intuition aufsteigen und durch unseren Mund in die Welt treten. Ein Spiel.

Zwölf meiner Lieder dienen uns als Grundlage für das Tönen, in sie ist das Tönen eingebettet. Zu den Liedern, den Texten und Akkorden siehe hier:



Keine Kommentare:

Kommentar posten